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Raum und Zeit für weit gefaste Spielfreuden (A German review from 2006 unearthed)

Montag abend, etwas später, eigentlich ist jetzt einer der Höhepunkte in der Hamburger Jazzwoche angesagt: Montags abends also trifft sich die Szene in Altona, in dem freundlichen Hinterhofclub

Planet Subotnik in der Großen Brunnenstraße, um sich zunächst – quasi als Werkstattbericht – das Neueste von einer der jungen Hamburger Bands anzuhören, und anschließend in der offenen Session die eigene Ausdruckskraft zu wetzen. Freier Eintritt, ein kleiner Aufschlag für die Musiker auf den ersten Drink, Raum und Zeit für weit gefaßte Spielfreuden: So buchstabiert sich ein erfolgreiches Rezept. Seit zwei, drei Jahren ist der montägliche Sunset Jazz Club nach 22 Uhr immer wieder gut besucht und lebhaft begangen. Die kleine Altonaer Spelunke hat sich längst zu einer der wichtigen Adressen für den Hamburger Jazz gemausert. Ein Treibhaus, quasi, in dem man sehr genau beobachten kann, wer mit wem und welche Kombinationen vielleicht nicht so viel versprechen. Seit neuestem ergänzen der ähnlich gelagerte Fusion-Tuesday, sowie regelmäßige Konzerte vom Flamenco-Latin-Planeten am Mittwoch das Subotnik-Programm.

Noch hatte das neue Jahr nicht durchgestartet. Als am Montag abend, pünktlich nach zehn, Kenosha Kid im Planet Subotnik zu spielen begann, war die Szene ferngeblieben. Weihnachtsurlaub. Und Kenosha Kid haben ein Problem: Sie sind neu hier, fremd in der Stadt. Kenosha Kid, das ist in erster Linie der Gitarrist und Komponist Dan Nettles aus dem Südstaaten-Collegestädtchen Athens, der sich auf den verschiedenen Kontinenten verschiedene Musiker gesucht hat, mit denen er seine Kompositionen spielt. Hier in Hamburg spielt er mit dem Berliner Bassisten Roland Fidezius und dem Schlagzeuger Robert Michler aus Hamburg. Ein ganz anderer Einschlag: Nettles schreibt Filmmusiken, schöne, atmosphärisch dichte Soundflächen, eher moosig grün als tangerinrot. Subtil verarbeitet er Klangverfremdungen und durchfurcht die Farbflächen mit kantigen Melodielinien. Die alten Routinen des Songformats hat er weit hinter sich gelassen, und sein Trio springt auch ohne visuellen Taktgeber kraftvoll und kontraststark zwischen den filmischen Perspektiven. Und – was wichtig ist – Nettles ist kein Angeber, was er spielt hat Sinn und Verstand: Für einen guten Beat und eine schlüssige Atmosphäre verzichtet er auf virtuoses Beiwerk und die gerade bei Gitarristen beliebten Posen. Es fehlt ja an nichts, der innere Film, den Kenosha Kid mit ihrem Spiel hervorrufen, reicht völlig, um die Musik zu erden.

Und dennoch bleibt die Spannung: Wie klingt die Band im Zusammenhang mit den Bildern, die Nettles zu seinen Kompositionen anregten? Am Samstag abend um 19 Uhr, läßt sich das in dem Fahrradladen New Cyclist, Gärtnerstr. 18 E, überprüfen.

http://www.welt.de/print-welt/article189964/Raum-und-Zeit-fuer-weit-gefasste-Spielfreuden.html

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